Zwischen Laufsteg und Schreibtisch

Wie zwei ehemalige GNTM- Kandidatinnen ihren Traumberuf leben – auf dem Laufsteg und in der „echten“ Welt

Woran denkt Fernseh-Deutschland bei diesem Satz? Fans denken an schöne „Mädchen“, spektakuläre Shootings, quotenträchtige Umstylings und eine gut gelaunte Heidi Klum – kurz gesagt: Germany´s next Topmodel.

Manche werden sich sicherlich auch noch an die Staffel aus dem Jahr 2015 erinnern. Gewonnen hat die damals zehnte Staffel des Formats Vanessa Fuchs. Wir interessieren uns allerdings vielmehr für die Plätze 11 und 16. Sie wurden belegt von Sandy Provázek aus Fellbach sowie Daniela Wolking aus Böblingen.

Zwei Jahre nach deren Topmodel-Run hat Mojo sich mit den beiden ehemaligen GNTM-Kandidatinnen getroffen und hat nachgefragt, wie es heute bei ihnen läuft. Auf den Laufstegen der Welt und vor den Linsen bekannter Fotografen sind beide immer noch unterwegs. Dennoch sind sie auf dem Boden geblieben – und haben sich neben der Karriere als Model ihre Existenz mit „echten“ Berufen abgesichert.

Die beiden Intervievs findet Ihr auch im Youtube-Kanal von MoJo.
 

Sandy Provázek

Vom Dancefloor zum Casting

Durch Zufall entdeckte Sandy Provázek aus Fellbach damals den Aufruf zum Casting in Stuttgart – eigentlich wollte sie bei dieser Sendung gar nicht mitmachen, trotzdem juckte es sie in den Fingern, einfach mal zum Casting zu gehen. Und so fiel die Entscheidung ganz spontan: „Ich war freitags feiern, sah eigentlich ganz schlimm aus, hatte auch keine passenden Klamotten dabei – und trotzdem bin ich dann just for fun da hingegangen.“ Noch viel lustiger wurde es allerdings, als Sandy tatsächlich genommen wurde und es in die Sendung schaffte.

„Anfangs war das alles wirklich nur so zum Spaß. Als es dann aber Runde für Runde weiterging, kam bei mir der Ehrgeiz.“

Der ließ übrigens auch nicht nach, als für Sandy kurz vor der Top 10 das Aus kam. Sandy war schon vorher als Model unterwegs, warum sollte es nach der Fernsehshow anders sein? Hat man einem Kunden im einen Jahr gefallen, so stehen die Chancen recht gut, dass man den gleichen Job im Folgejahr wieder machen darf. Darüber hinaus gibt es Empfehlungen von bekannten Fotografen, über Kooperationen mit verschiedenen Unternehmen.

„Das Modeln mache ich in meiner Freizeit, an Wochenenden oder ich nehme mir Urlaub dafür“, erklärt Sandy.

Hauptberuflich arbeitet sie bei Breuninger als Personalerin und ist dort für die Auszubildenden zuständig. Obwohl die Arbeit im Modehaus weniger glamourös ist als ihr Model-Leben, ist Sandy sehr froh, dieses Standbein zu haben.

Ich habe an dem Beruf sehr großen Spaß. Auch, weil ich einfach in der richtigen Branche gelandet bin, der Modebranche“, vermutet sie.

Aktuell absolviert sie begleitend zum Beruf eine Weiterbildung zur Personalfachkauffrau.

„In diesem Job habe ich mich wirklich gefunden – deshalb ist auch das für mich ein Traumberuf.“

„Du musst funktionieren, Liebeskummer zählt nicht“

Dem Lebensentwurf einiger Mitkandidatinnen, ihre Schule abzubrechen und sich vorerst nur noch auf das Modeln zu konzentrieren, steht Sandy skeptisch gegenüber. „Ich bin Realistin, denke viel an spätere Jahre und weiß: Schönheit ist vergänglich“, erläutert sie ihren Standpunkt. Den Model-Job machten die meisten nicht bis zum Ende eines Berufslebens. „Daher ist es wichtig, noch irgendetwas anderes gelernt und damit eine Sicherheit zu haben.

Wer sich in jungen Jahren ausprobieren und das Model-Leben abchecken wolle, dem empfiehlt die Personalerin, sich einfach mal eine Mappe anfertigen zu lassen, die verschiedenen Aspekte der Arbeit als Model kennenzulernen – um herauszufinden, wie sehr einem das gefällt. Dies ließe sich auch wunderbar mit der Schule oder mit einer Ausbildung vereinbaren.

„Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass man ein Produkt ist“, bringt Sandy es auf den Punkt. „Man hat beim Job zu funktionieren; niemanden interessiert, ob man nett ist und wie es einem gerade geht. Dein Charakter tut nichts zur Sache, Liebeskummer zählt nicht.“ Oft sei man auch allein, was die Fellbacherin schlimm findet. Eiserne Disziplin, viel Sport und gesunde Ernährung sollten bei Ergreifen des Model-Berufs unbedingt fest in den Tagesablauf integriert werden: „An Fotos kann man zwar viel bearbeiten, aber sobald ich vor dem Kunden stehe, kann ich nichts mehr kaschieren.“

Erinnerungen fürs Leben

An diese vielen schönen Erlebnisse, ihre neuen Kontakte und Freunde, die tollen Orte, wohin sie reisen durfte – an all die Highlights, die ihr der Job als Model eröffnet hat, will sich Sandy auch später noch mit Freude zurückerinnern.

„Als Model bekommt man ja wirklich etwas in die Hand, echte Erinnerungen“, freut sie sich. „Bei mir ist es heute schon so, dass ich sehr gerne mein Buch durchblättere, die Bilder betrachte. Und ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich mal 70 Jahre alt bin, meine Bilder vielleicht mit Kindern oder Enkeln anzuschauen – und an diese tolle Zeit zurückzudenken.“

 

Daniela Wolking

„Die Zeit bei GNTM war ein Geschenk!“

„Als ich zu GNTM kam, war ich ja schon eine der Älteren.“ - Daniela Wolking lacht. Gerade mal 23 Jahre war sie alt, als sie bei der zehnten Staffel dabei war. Damit zählte sie allerdings schon zu den ältesten Bewerberinnen.

„Während meiner Studienzeit hatte ich einen Nebenjob – und meine lieben Kollegen haben mich ohne mein Wissen beim Casting angemeldet“, berichtet sie über den ungewöhnlichen Quereinstieg. Ein Mädels-Wochenende in München hätte es werden sollen, plötzlich fand sie sich beim GNTM-Casting wieder. „Ich war ein wenig erschrocken, zumal ich weder die passenden, noch ausreichend Klamotten dabei hatte“, erinnert sich die Böblingerin. „Der Erfolg kam für mich sehr überraschend. Mit jeder Runde, die ich dann in der Show weiterkam, wurde auch der Wunsch stärker, es noch weiter zu schaffen.“

Die Karriere selbst in die Hand nehmen

Gemodelt hatte sie zwar noch nie, dennoch war sie in Sachen Mode nicht ganz unbeleckt. „Ich habe eine Ausbildung in Modedesign gemacht. Danach folgte ein Praktikum in einer Designabteilung“, resümiert Daniela ihren Werdegang. „Hier wurde mir allerdings klar, dass es mich eher in Richtung Management zieht – also folgte ein Studium im Fach Modemanagement.

Das Studium vermittelte ihr die nötigen Kenntnisse in Sachen Betriebswirtschaft, die ihr heute sowohl als Model wie auch in ihrem Job als Einkäuferin eines Modehauses helfen. „Ich besichtige die Produktionsstätten, wo die Ware hergestellt wird, für die wir uns interessieren“, erklärt die Einkäuferin. „Dort fällt dann auch die Entscheidung, was in unser Sortiment passt.“

Die Verantwortung ist groß: Schließlich muss sie heute schon einschätzen können, was ihre Kunden morgen begeistert aus den Regalen zerren sollen.

Nicht bloß lächeln und gut aussehen

Um als Model auch nach einem Auftritt bei GNTM weiterhin erfolgreich zu sein, nimmt Daniela ihr Glück in die eigene Hand. „Modeln ist heute nicht mehr das, was es vielleicht vor zig Jahren einmal war: einfach nett aussehen“, stellt Daniela fest. „Man muss einiges investieren, um erfolgreich zu sein.“ Man benötige viel Ehrgeiz, Engagement und Eigeninitiative: „Models müssen auch nach der Show weiter am Ball bleiben, viel reisen, Kontakte knüpfen, sich ein Netzwerk aufbauen.“ Eine offene, kommunikative Art sei dabei von Vorteil, man müsse sich gut ausdrücken und ordentlich präsentieren.
Wer nicht das Glück habe, über Gemany´s Next Topmodel ins Business einzusteigen, sich aber trotzdem in der Branche ausprobieren will, solle zunächst einen „wirklich, wirklich guten Fotografen aufsuchen“, rät Daniela. Mit derlei Fotos ausgestattet, könne man sich dann auf den diversen Accounts im Social-Media-Bereich Profile anlegen und Interessantes posten, um Reichweite zu generieren. Zudem sei ein Management in den Anfangsjahren sehr von Vorteil, „weil die das Netzwerk haben, das du dir als junges Model erst noch aufbauen musst."

Wer Potenzial hat, kann viel erreichen

Das Thema Ausbildung versus Schulabbruch sieht Daniela zwiegespalten. „Wenn man das Potenzial hat, kann man als Model eine Menge erreichen – sollte aber für später immer im Blick haben, eventuell unterbrochene Ausbildungen nachzuholen oder fertig zu machen.“

Daniela will den Job als Model und auch ihre Zeit bei GNTM nicht missen.


„Über die Show und den Beruf entstehen tolle Freundschaften und wertvolle Erinnerungen, die man nie wieder vergisst“, sagt sie und lacht. „Nach L.A. zu fliegen, in einer Villa zu wohnen und Stars zu treffen – das sind Erfahrung, die man sonst niemals machen würde. Ich betrachte die Zeit bei GNTM als wirklich großes Geschenk.“

Eine wichtige Freundschaft, die bei der Teilnahme an der Show entstanden ist, sei die zu Sandy. „Wir unternehmen viel und sind seit GNTM gute Freundinnen geworden.“ Sie lacht fröhlich und knufft Sandy in die Seite. „Das Model-Leben ist super spannend, man sollte mitnehmen, was nur geht – denn schließlich lebt man nur einmal.“

Azubi-News

Gut zu wissen!