TRAUMBERUF MODERATOR

Als ihn die Eltern im Radio hörten, war von der Banklehre keine Rede mehr

Ein „Influencer“ zwischen Show, Promifaktor und Empathie

Er absolvierte das Studium als einer der ersten 40 Studenten. In der Zeit gründete er das Hochschulradio, das es bis heute gibt.

Am Tag, als Diana starb, wäre auch er schier gestorben – vor Nervosität

Heute, sagt er, würde er seine ersten Erfahrungen in Kanälen wie Youtube oder Instagram sammeln, sich dort präsentieren und ausprobieren. Damals bewarb er sich für ein Praktikum beim „großen Sender“, der seit der Fusion als SWR3 auf Sendung ging. Josh schrieb direkt an den Programmchef und hatte Glück. 1997, „einen Tag nachdem Prinzessin Diana starb“, wie er theatralisch und mit verschmitztem Grinsen anmerkt, begann er sein Praktikum.

Wie es sich gehört, wurde er sofort ins kalte Wasser geworfen. Kaum da und mit Technik und Abläufen halbwegs vertraut, wurde der 21-jährige „Prakti“ an den Nürburgring geschickt. Eigentlich „nur“, um die Leitungen, sonstige Technik und Übernachtung für die Crew zu organisieren. Doch das „Drehbuch“ sah ihn zu Höherem berufen. Er wurde zusätzlich mit Reporter-Auftrag dorthin geschickt.

Einen Sonntagnachmittag wird Josh nicht mehr vergessen. Da bat ihn der Kollege Stefan Scheurer, „Atmo“ vor dem Übertragungsfahrzeug aufzusaugen. Josh also raus, um „typische und zur Veranstaltung passende Hintergrundgeräusche“ aufzunehmen, die den Radiobeitrag ‚atmosphärisch’ und stimmungsvoll machen. So kam es, dass Josh mit dem Mikrofon neben der Rennstrecke stand, auf der am 28. September 1997 der große Preis von Luxemburg zwischen Damon Hill und Michael Schumacher entschieden wurde. „Als dann mein Idol Elmar Hörig zum ersten Mal meinen Namen im Radio gesagt hat, bin ich schier gestorben und war zugleich völlig happy“, erzählt er.

Nicht nur er: Als seine Eltern ihn das erste Mal im Radio gehört haben, wurde aus den SWR4- Hörern stolze SWR3-Fans. Und von der Banklehre war plötzlich keine Rede mehr...

Er wird häufig gefragt, was man können muss, um beim Radio zu arbeiten. „Redenkönnen ist super, aber kein Einstellungskriterium“, antwortet er ebenso oft. Ein Studium ist Pflicht – nicht vorgegeben ist die Fachrichtung, ein Journalistikstudium sei nur eine von vielen Optionen. Unverzichtbar ist eine gute und breite Allgemeinbildung. Um eine Wissenschaftssendung zu moderieren oder für Beiträge in einer Fachredaktion sei Spezialwissen von Vorteil – wo der Absolvent sie her hat, sei weniger entscheidend. Radiomacher müssen wissbegierig, neugierig, kommunikativ sein. Die besten Interviews mache er mit Empathie, sagt Josh. Wenn er sich also auf sein Gegenüber voll und ganz einlässt und merkt, wie der andere tickt: „Man muss den Gesprächspartner knacken und ins Reden bringen, damit er Antworten gibt, die er vielleicht noch nie gegeben hat und eine neue Sichtweise oder neues Wissen mitteilt.“


Ein Journalist sollte Fragen haben, sich interessieren für Zusammenhänge, für Kultur und Gesellschaft. Wenn dann noch Originalität, Kreativität zu den persönlichen Stärken zählen, dann Bingo! Radioleute haben keine Scheu vor Interaktion – sie arbeiten immer mit verschiedenen Menschen, auch mit Prominenten.
Kochhann und Promis
Der „Promi-Faktor“ sei nicht zu verachten, auch Josh stand schon mit DJ David Guetta, Daimler-Chef Zetsche und Nationalspieler Semi Khedira auf der Bühne. Doch „Selfiejäger“ sind im Radio falsch. Auch „Influencer“ sollten sich lieber nach anderen Plattformen umschauen.


Denn im Kern ist der Moderator immer Journalist – und der nimmt auf andere, auf professionelle Weise „Einfluss“ auf die Meinungsbildung und die Wissensvermittlung der Menschen. „Wenn ich jungen Menschen, die vor vielen beruflichen Optionen stehen, Orientierung geben kann mit meiner Arbeit, freut mich das“, sagt er.

Azubi-News

Gut zu wissen!