Berufswunsch Influencer

Was ist das überhaupt?

Angeblich wollen ja heute alle Menschen unter 20 Influencer werden. Klingt auch gut: Einfach ein bisschen auf Instagram, Snapchat, facebook oder YouTube posten, was man grad so mag und macht, und schon melden sich Unternehmen und zahlen einem viel Geld dafür, dass man ihre Produkte nennt.

Tatsächlich ist es harte Arbeit, in den sozialen Netzwerken so präsent zu werden, dass man als Botschafter fürs sogenannte Influencer-Marketing interessant wird. Ein Vollzeit-Job ohne Garantie auf Erfolg. Einige der bekannten Influencer allerdings sind durch Zufall bekannt geworden, indem sie einfach das realisiert haben, was ihnen Spaß macht. Vier Beispiele aus dem Raum Stuttgart:

 

Inscope21

Nicolas Lazaridis aus Freiberg hat seit 2010 einen YouTube-Kanal, für den er schon mehr als 900 Videos produziert hat, meistens Comedy-Filme. Ein typisches Format ist „Nico verarscht YouTuber“. Mit 1.761.416 Abonnenten ist Lazaridis selber einer der bekanntesten deutschen YouTuber. Mit Produkt-Platzierungen verdient er auch Geld – ewig will er aber nicht mehr YouTuber sein. Irgendwann sei man dafür zu alt.

Meet Mary

Marina Juchheim hat auf Instagram 24.400 Follower, auf YouTube 1.740 Abonnenten. Damit ist sie eine sogenannte Micro-Influencerin. Diese werden von der Werbebranche genutzt, um spezielle Zielgruppen ohne Streuverlust zu erreichen. Marina bietet Lustiges, aber sie möchte auch Ratgeberin für junge Mädchen sein, egal ob es um Klamotten, Haare färben oder den ersten Gang zum Frauenarzt geht.


Janisview

Janina Wenzel schreibt auf ihrem Blog über Fitness, Motivation und Ernährung sowie neuerdings über ihre Reiseerfahrungen. Angefangen hat alles, als die heute 26-Jährige vor drei Jahren anfing, abzunehmen. Als eine Art Selbstverpflichtung und Motivationshilfe hielt sie auf Instagram die Fortschritte ihrer Diät fest – und bekam unterwartet viel Feedback. 63.300 Follower hat sie auf Instagram. Die Stuttgarterin platziert auf ihren Kanälen Sportklamotten und Nahrungsergänzungsmittel. Im Hauptberuf ist sie aber Art Director in einer Werbeagentur – und spezialisiert auf Influencer-Marketing.


Lisa und Lena

„Dream it and do it“ steht auf den Hoodies, die Lisa und Lena über ihren Online-Shopping-Kanal verkaufen. Die 14-jährigen Zwillinge aus Stuttgart haben bei Instagram 11 Millionen Follower aus aller Welt. Bekannt geworden sind die beiden mit ihren Videos auf Musical.ly, in denen sie zu Popsongs ihre Lippen bewegen und tanzen. Nur zwei Personen in Deutschland hatten Anfang April 2017 mehr Abonnenten bei Instagram als Lisa und Lena: Toni Kroos und Mesut Özil.

 

Alexander Straub

Alexander Straub (22) ist Zauberer und mit über 176.000 Abonnenten ein bekannter YouTuber. Auf Instagram folgen ihm 137.500 Fans. Mit 17 war er zweimal bei Stefan Raabs „TV total“ zu Gast. Varieté-Weltmeister ist er außerdem; gegen 60 Kontrahenten setzte er sich dafür durch. Jung, erfolgreich – die Magie des Social Media?

„Es ist ja nicht so, dass ich nie gescheitert wäre“, sagt Alexander Straub. „Wenn alles so gekommen wäre, wie ich mir das nach dem Realschulabschluss vorgestellt habe, wäre ich jetzt Polizist.“ Er versiebte damals den Einstellungstest, musste umplanen; Abi statt Polizeischule. Weil ihm schon zu dieser Zeit das Filmen und Erzählen mit Bildern Spaß machte, bewarb er sich an der Filmakademie Ludwigsburg. Wieder abgelehnt.

Trotz der Rückschläge: Erfolglos war Alex nie, er hatte das Zaubern, sein Hobby und seine Leidenschaft. Sein erstes Geld verdiente er mit 13 Jahren, nachdem er an einer Talentshow seiner Schule teilgenommen hatte und daraufhin für mehrere private Feste gebucht wurde. In den folgenden Jahren wurde eine weitere Begabung von Alex deutlich: Social Media zu nutzen, sich zu vernetzen, Kontakte zu machen, Bekanntschaften zu pflegen. Die führten ihn mit 16 Jahren nach Las Vegas, wo zufällig gerade die weltweit größte Zauberermesse stattfand. Auf einer der Partys wurde David Copperfield auf ihn aufmerksam. „Ich weiß nicht, ob er nur nett sein wollte“, lacht Alex, „aber ich glaube, er war wirklich beeindruckt.

ABRAKAYOUTUBE: Das Interviev mit Alexander Straub findet Ihr auch im Youtube-Kanal von MoJo.

„Wenn Arbeit Spaß macht, empfindet man sie nicht als Arbeit“.

Zwei Jahre und zwei Absagen später setzt sich Alex ein Ultimatum: „Wenn ich die Varieté-WM gewinne, dann mache ich das Zaubern zu meinem Beruf. Wenn nicht, studiere ich Finanzmanagement.“ Wie es ausging, wissen wir – zur Sicherheit hat er übrigens trotzdem noch zwei Semester studiert. „Ich finde es wichtig, dass man das, was man macht, mit Leidenschaft verfolgt“, sagt er. „Wenn ich Leute frage, was ihnen Spaß macht, und die haben keine Ahnung, sage ich: Dann finde was!“

Sind Erfolg und Bekanntheit dasselbe? – Alex war schon mit Copperfield aufgetreten, in mehreren TV-Shows – als „bekannt“ empfand er sich trotzdem nicht. An dem Tag jedoch, nachdem er 2015 ein Video mit dem erfolgreichen YouTuber Julien Bam (fast vier Millionen Abonnenten) gepostet hatte, sprachen Alex plötzlich zig Menschen auf der Straße an. „Social Media ist für mich total hilfreich, aber kein Selbstzweck“, sagt Alex. „Mein Ziel ist, die Leute so in meine Shows zu holen. Ich bin schließlich ein Mensch – und kein Kanal!“

Was ein Zauberer wie Alexander Straub überhaupt nicht gebrauchen kann, sind zittrige Hände. „Als ich das erste Mal bei TV Total eingeladen war, habe ich vor Aufregung meine Finger nicht mehr gespürt“, erinnert er sich. Die Kartentricks haben trotzdem geklappt."

Übung ist alles

Alexander Straub tritt am 9. September 2017 im Theaterhaus Stuttgart auf. „Time Keeper“ heißt seine Show, in der er für 90 Minuten die Gesetze der Natur außer Kraft setzt.

 

Damir Spajic

Es gibt 16-Jährige, die wissen genau, was sie werden wollen. Damir Spajic gehörte nicht dazu. „Ich war ein schlechter Schüler, ich war faul und hatte keinen Plan“, sagt er rückblickend. Zwei Wochen vor Ausbildungsbeginn hatte er immer noch keinen Ausbildungsplatz. Auf seine 52 Bewerbungen erhielt er eine Absage nach der anderen. Heute ist Damir Küchenchef im Restaurant Weber in Stuttgart und erfolgreicher Influencer. Über 14 700 Leute folgen seinem Instagram-Account therealdamirovic, auf dem er Bilder von seinen Gerichten postet. „Ich verbinde dabei Essen und Lebensmittel mit einem künstlerischen Aspekt.“

Vor zwei Jahren hat er es einfach ausprobiert und am Anfang viel Zeit investiert, „locker eine gute Stunde am Tag“. Abends auf dem Sofa hat Damir sich durch Foodbilder anderer User inspirieren lassen, hat sie geliked, kommentiert und dadurch selbst immer mehr Follower bekommen. Sein Erfolgsrezept: „Man muss sich abheben, ein Konzept haben und darauf hinarbeiten, dass man täglich besser wird.“ So wie jeder seine eigene Handschrift trägt, müsse man auch die Bilder angehen.

„Man muss ein Konzept haben“

Farbenfroh, ein bisschen wild und frech ist Damirs Anrichtungsstil. Die Teller, auf denen sein Essen landet, sind dabei kein Zufall, sondern die jeweils neueste Kollektion eines Geschirrherstellers. Der Kontakt kam auf einer Gastro-Messe zustande. „Ich bin aktiv auf die Suche nach Kooperationspartnern gegangen“, erzählt er. Mit Erfolg. Anfangs hat Damir nur Produkte präsentiert, zum Beispiel Cocosblütenzucker, dann kamen dauerhafte Deals wie der mit dem Porzellanhersteller dazu.

Ab circa 10 000 Followern haben die ersten Firmen bei dem Influencer angeklopft. Mittlerweile wird er ständig angeschrieben und verdient Geld mit seinem Account.

Davon leben könne er zwar nicht, aber das Hobby sei durchaus lukrativ - dank mehrerer Kooperationen mit Gastrofirmen oder deren Werbeagenturen. Auch mit Uhrenherstellern und Schuhfirmen arbeitet der Sneakerhead zusammen und er plant, seine Geschäfte auszuweiten. „Die Themen Fashion und Reisen sollen noch mehr in meinen Account einfließen.“

Wohlbemerkt macht er das alles neben seinem Job als Küchenchef, der ihn sechs Tage die Woche fordert. Parallel sammelt Damir Ideen für seine Posts. Viermal pro Woche trainiert er im Fitnessstudio, sonntags spielt er Fußball in einer Freizeitmannschaft. Und ein Privatleben hat er natürlich auch noch. Wie schafft er das? „Man kann nur bedingt auf mehreren Hochzeiten tanzen“, gibt er unumwunden zu. Ohne die Unterstützung seiner Familie ginge es nicht. Ohne professionelle Unterstützung inzwischen auch nicht mehr, deshalb kümmert sich eine Firma um seinen Instagram-Account - mit dem Ziel weitere Follower zu generieren.


„Dass ich einmal interviewt werde, hätte ich nie gedacht“, kommentiert er das Gespräch mit MOJO und gibt gleich noch einen Tipp für angehende Influencer: „Man muss Spaß dabei haben und es einfach gerne machen, sonst wird es nichts.“

 

Aber das Wichtigste sei, dass man mit beiden Beinen fest im Leben steht. Ein kleiner Teil Selbstbestätigung durch den Erfolg sei immer schön, aber Damir betont: „Wer ich bin, definiert sich nicht über Instagram.“

Azubi-News

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